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Intro Historie Neues & Alltag Canalbas Team


Wenn das Wort Canalba fällt, schlagen unsere Herzen höher, denn Canalba ist das Tierheim, an dem unser Herzblut hängt. Hier hat unsere Tierschutzarbeit begonnen, hierher geht nach wie vor unsere hauptsächliche Aufmerksamkeit, hier ist unser italienisches Zuhause.
Aber fangen wir von vorne an:

Wie alles begann

Canalba Eingangstor Canalba liegt in Alba Adriatica und das wiederum in Italiens Mitte, in der Region Abruzzen und – wie der Name schon sagt – an der Adria. Das Hundeheim entstand Anfang der 90er Jahre aus einer Privatinitiative und es startete sein Dasein mit über 40 Aktiven und 5 Hunden. Das Verhältnis kehrte sich rasch ins Gegenteil um, die Aktiven verschwanden bis auf wenige (die zum Teil heute noch da sind), die Zahl der Hunde stieg dagegen kontinuierlich an. Wer die Problematik der Hundehaltung und der Straßenhunde in Italien kennt, wird sich darüber nicht wundern.

Untergebracht wurden die Hunde und ihre meist ehrenamtlichen Betreuer in einer aufgegebenen Schlachthofanlage. Offensichtlich das richtige Ambiente für diese wertlosen, unerwünschten Tiere. Dass ihre Betreuer keine entscheidend höhere Wertschätzung bei den Italienern genießen, merkt man, wenn man die Zustände kennt, unter denen sie dort arbeiten müssen. Die Gebäude sind halbe Ruinen, keine Kaffeepause Fensterscheibe ist mehr heil, die Türen sind herausgebrochen und schließen oft nicht mehr, es gibt nur unzureichende Strom- und Wasserversorgung und (in der Regenzeit) nirgendwo einen wirklich warmen, trockenen Ort, an dem sie sich aufhalten können. Außer dem Büro vielleicht, dass aber eben wegen dieser Eigenschaft gleichzeitig Krankenstation, Welpenaufzuchtanlage und Behandlungsraum für die Tierärztin ist. Also auch hier keine Chance, die Hunde gehen vor.

Der tägliche gemeinsame Espresso wird in der offenen Futterküche zwischen den Hunden des großen Rudels eingenommen (und wenn man das erstmal kennt, möchte man es nicht mehr missen). Ratten und Mäuse sind allgegenwärtig, trotz des permanent erscheinenden Kammerjägers. Die Gehege sind zusammengestückelt und ineinander verschachtelt, wenn man zu den Hunden will, muss man häufig durch mehrere Gehege hindurch – Tür auf, Tür zu - bis man an seinem Ziel ist. Das alles erleichtert die Arbeit nicht gerade und umso bewundernswerter ist das Engagement der ganz wenigen Frauen dort, die tapfer aushalten, der Hunde wegen. Tag für Tag, Jahr für Jahr, oft ohne einen Cent dafür zu bekommen. Mit einem deutschen Tierheim zumindest ist in Canalba nichts vergleichbar.


Charlotte

Charlotte Nicht allzu lange nach dem Entstehen des Tierheims – in der Zeit, als die italienischen Tierschützer zunehmend das Handtuch warfen – stieß Charlotte Spielmann zu der Canalba-Gruppe. Sie ist Deutsche und seit den 60er Jahren in der Gegend ansässig. Lotti konnte das Leid der Hunde nicht mehr ertragen und wollte helfen. Da sie seit langem gewöhnt war, Menschen anzuleiten und mit Behörden umzugehen, fand sie sich schnell in der Position der Tierheimleitung wieder, anfangs nur kommissarisch. Das war nicht ganz in ihrem Sinne, denn sie wollte eigentlich mit den Hunden zu tun haben und nicht mit der Bürokratie. Aber da niemand sonst diesen Posten ausfüllen konnte, blieb er an ihr hängen. Seit 2000 ist sie nun offiziell die Tierheimleiterin.

Und bis heute steht sie dort im Hundeheim ihren Mann ... oder besser ihre Frau ... jeden Tag viele Stunden lang. Die übrige Zeit des Tages verbringt sie organisierend, Spenden sammelnd, mit den Behörden kämpfend. Und in den Nächten sitzt sie vor dem PC und hält die Kontakte ins Ausland, zu den Menschen, denen sie ihre Hunde vermittelt hat, zu denen, die ihr helfen. Oder sie bastelt Spendenkästchen, die in den Geschäften aufgestellt und häufig genug auch noch geklaut werden. Ohne Charlotte gäbe es Canalba heute vielleicht auch noch, aber wie es dort aussehen würde, wollen wir uns lieber nicht vorstellen. Ihr Verdienst ist es, dass alle Hunde immer ausreichend Futter haben, dass es eine Tierärztin gibt, die täglich kommt, um alle Kranken zu behandeln, dass dort nur Menschen arbeiten, die Tiere wirklich lieben. Und dass mittlerweile viele hundert Tiere ein neues Zuhause bekommen haben. Für die herrenlosen Hunde hat sie - oftmals unter großen persönlichen Opfern - ein kleines Paradies in einer ansonsten feindlichen Umgebung geschaffen, in der Hunde getreten, weggejagt, überfahren und vergiftet werden.


adopTiere

Ursprόnglich wollten auch wir „nur ein wenig helfen”. Einige Privatmenschen aus Deutschland und der Schweiz, die Charlotte kennen gelernt und große Achtung vor ihrer Arbeit, ihrem Durchhaltevermögen und ihrer „deutschen Gründlichkeit” in Anbetracht der chaotischen Zustände hatten. Wenn man einmal dort war und die Not sieht, kann man einfach nicht anders, als helfen zu wollen.

helfende Hände Anfangs fuhren wir mehrmals im Jahr runter nach Alba, mal der eine, mal die andere, halfen ein paar Tage bei den nötigsten Arbeiten, nahmen einige Hunde mit, die wir in der Zwischenzeit hier vermittelt hatten und versuchten so, die Not zu lindern. Aber Canalba schwoll an und wurde immer voller und irgendwann war einen Höchststand von mehr als 400 Hunden erreicht. Wenn wir einen Hund herausholten, standen schon fünf Schlange, die rein wollten.

Irgendwann war es klar, dass wir die Arbeit auf mehr Schultern würden verteilen müssen, dass wir Unterstützung brauchten bei der Logistik, bei Vor- und Nachkontrollen, in den Eingewöhnungsphasen, in denen die neuen Besitzer häufig noch Hilfe nötig haben, bis ihr „Italiener” heimisch geworden ist. Außerdem kamen immer mehr Menschen dazu, die helfen wollten, die – oft durch die eigene Hunde-Adoption - hautnah mit der Not dort unten konfrontiert worden waren. Deshalb gründeten wir im Herbst 2006 den Verein adopTiere e.V.

Seither ist der Umfang unserer Arbeit sprunghaft nach oben geschnellt, hat sich die Zahl der Hunde – und mittlerweile auch Katzen, die wir jährlich nach Deutschland vermitteln, um ein Vielfaches gesteigert. Aber auch wenn es für jeden von uns bedeutet, seine gesamte Freizeit zu opfern: Wenn wir die Vorher-Nachher-Bilder „unserer” Hunde anschauen, dann wissen wir, wofür wir es tun und dass sich die Arbeit lohnt. Besonders für Canalba. Der Stand der Hunde hat sich auf ein immer noch hohes aber zurzeit immerhin erträgliches Maß reduziert, die größte Not können wir abpuffern, viele Hunde und Menschen haben wir glücklich gemacht.

Es mag nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, aber für Canalba und seine Bewohner bedeutet er viel.


Legal oder nicht? Ein Riesen-Problem!

Canalbas größtes Problem ist seine rechtliche Stellung. Da das Tierheim auf einer privaten Initiative beruht, hat es keine staatliche Anerkennung. Und obwohl es von den 12 umliegenden Gemeinden eigentlich – mehr schlecht als recht – offiziell unterstützt wird, gilt es trotzdem als illegal.

das Gelände Solange es sich nur um eine begrenzte Zahl Tiere handelte, haben die Italiener darüber hinweg gesehen und ihre herrenlosen Hunde zumindest zeitweise finanziell unterstützt. Als die Menge der Hunde anschwoll und somit auch der finanzielle Aufwand für das Tierheim wuchs – es verschlingt pro Monat zwischen 7.000 und 10.000 EUR – wurde die Unterstützung immer unzuverlässiger. Oft gibt es über lange Monate hinweg keinen Pfennig von den Behörden und Charlotte kämpft mit ihrer Crew jeden Tag, um die Hunde ernähren und versorgen zu können.

Der illegale Status wird immer wieder als Anlass genommen, die Zuwendungen zu streichen, die Hunde zu konfiszieren oder mit der Schließung des Tierheims zu drohen. Was zur Folge hätte, dass alle Tiere einfach weit ab von den Gemeinden in der Region ausgesetzt würden. Egal ob jung oder alt, krank oder gesund. Wie sie dabei überleben sollen, ist den Behörden egal. Sie freuen sich nur, dass sie ein Problem los sind, dass ihnen sehr lästig ist. Denn ein herrenloser Hund hat in Italien keine Lobby – fast keine, wie wir an späterer Stelle sehen werden.

Neben dem zermürbenden Nervenkrieg mit den Gemeinden hat der illegale Status ein weiteres Problem zu Folge. In Italien wird von verschiedenen Seiten sehr hartnäckig das Gerücht geschürt, dass alle Hunde, die nach Mittel- und Nordeuropa gebracht werden, hier bei uns in Laboren und Versuchsanstalten enden. Es gibt darüber Hunderte von Internetseiten, Fernsehsendungen und Radiobeiträge in Italien. Sogar Preisgelder sind ausgesetzt für denjenigen, der einen Hund beibringen kann, der hier bei uns tatsächlich in ein Labor gebracht wurde. Das hat natürlich die italienischen Tierschützer auf den Plan gerufen, die daher vehement versuchen, die Tiertransporte nach Deutschland und das umliegende Ausland zu bekämpfen.

glückliche Hunde und Menschen Seit 2006 schwappen die Wogen dieser Bewegung wieder besonders hoch und seitdem hagelt es natürlich auch gegen Charlotte und Canalba haufenweise Anzeigen wegen illegalen Hundehandels, denn es ist allgemein bekannt, dass Canalba-Hunde nach Deutschland, Österreich, Holland und in die Schweiz gehen. Die Anfeindungen der italienischen Tierschützer sind sehr offen und massiv und die Leute schrecken – neben allen rechtlichen Mitteln, die ihnen in ihrem Land zur Verfügung stehen - auch nicht vor Morddrohungen, Bespitzelungen und Interventionen bei den ausländischen Behörden zurück, die für uns in unseren Heimatländern zuständig sind.

Glücklicherweise entbehren die Vorwürfe jeder Grundlage und wir können für alle Hunde, die je aus Italien ausreisen durften, ihren Verbleib nachweisen. Aber dieser ungewollte Krieg kostet Kraft, Zeit und Geld. Dies alles würden wir sehr viel lieber dafür verwenden, mehr für die Tiere zu tun. Aber die Überzeugungsarbeit in Italien ist zäh und gerade unter den dortigen Tierschützern gibt es welche, die absolut resistent gegen jedes Argument sind. Immerhin konnte Charlotte mittlerweile die mit ihr zusammen arbeitenden Behörden davon überzeugen, dass wir saubere Tierschutzarbeit leisten und es uns ausschließlich um das Wohl der Hunde geht.

Und egal wie stark der Gegenwind auch sein mag, wir – Charlottes Team in Italien und unser Team in Deutschland, Österreich und der Schweiz - werden weiter dafür kämpfen, dass die Hunde und Katzen ein eigenes Zuhause finden und glücklich werden. Die Tiere sind uns Menschen anvertraut, unsere Verantwortung, ihnen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen, ist groß. Und diese Verantwortung nehmen wir wahr.




27. Mai 2009

Canalba ist legalisiert!



Nach 18 Jahren Einsatz bis zur Selbstaufgabe für 'ihre' Hunde, 18 Jahren Kampf gegen Vorurteile und Behördenunverständnis, langen Jahren finanziellen Desasters, Zeiten voller Ungewissheit, Angst vor der Zukunft und offenen Anfeindungen, war es am 27. Mai 2009 endlich soweit:

Charlotte konnte - unterstützt von Bruno, dem Präsidenten ihrer italienischen Tierschutzorganisation ANTA (Associazione Nazionale Tutela Animali) - mit den Bürgermeistern der für Canalba zuständigen Kommunen einen Vertrag aushandeln, der das Hundeheim aus dem Zustand der Illegalität heraus holt und zu einer offiziell anerkannten Einrichtung macht. Um 10.47 Uhr unterschrieb sie zusammen mit Bruno und im Beisein von Karin die Vereinbarung, die die Zukunft von Canalba sicherstellt. Rückwirkend zum 01. Mai 2009 gilt Canalba nun als legales Tierheim und erhält finanzielle Unterstützung.

Wir gratulieren Charlotte von ganzem Herzen für diesen Erfolg ihrer langjährigen, zähen Bemühungen

und sind zusammen mit ihr und ihrem Team zutiefst glücklich darüber, dass die Zukunft all dieser Hunde, die uns so sehr am Herzen liegen, nun endlich sichergestellt ist.



In einer kleinen Feier stießen Charlotte, Karin und Bruno anschließend auf die neue Ära des Tierheims an - um anschließend sofort wieder zum Canile zurück zu hetzen, weil die täglichen Arbeiten noch erledigt sein wollten.





Erste Auswirkungen hat der neue Status für das Tierheim schon: Ab sofort ist Canalba offizielle Futter-Ausgabestelle für Erdbebenopfer aus Aquila, die mit ihren Hunden in der Umgebung einquartiert wurden. Täglich werden nun die Besitzer der Tiere mit Futterspenden aus der Bevölkerung versorgt, so dass sie ihre Hunde bei sich behalten können.

Die Arbeit von adopTiere wird durch den Anbruch dieser neuen Zeit nicht weniger werden, denn das Problem der in Italien nicht vermittelbaren Second-Hand-Hunde löst sich dadurch nicht. Ganz im Gegenteil: Uns wurde von den Gemeinden bereits angekündigt, dass viele bisher frei lebende Hunde nun eingeliefert werden, für die sich bisher niemand zuständig fühlte. Aber mit dem Wissen, dass diese Hunde nun in 'ihrem Zuhause' Canalba - dem einzigen Zuhause das viele von ihnen bisher jemals hatten - sicher sein werden und wir in Ruhe Familien für sie suchen können, die ihnen Liebe und Geborgenheit geben, sind wir guten Mutes und freuen uns auf die kommenden Aufgaben.


An dieser Stelle möchten wir all denen danken, die durch ihre Unterstützung unsere Arbeit überhaupt erst möglich gemacht haben und maßgeblich daran beteiligt waren, den Hunden das Leben in der Vergangenheit lebenswert zu machen. Und wir hoffen, dass wir Sie/Euch auch in Zukunft an unserer Seite haben werden.

Das adopTiere-Team