Ein verlorenes Leben
Die sanfte Sonia gehört zu den Hunden, deren Leben vorbei war, bevor es beginnen konnte. Sie war noch
sehr jung, als sie aufgegriffen und von der zuständigen Gemeinde bei einem Hundehändler abgegeben wurde.
Dieser Mann hatte es sich zu seinem Nebenverdienst gemacht, die herrenlosen Hunde der Stadt zu beherbergen.
Sonia wurde in eine kleine Box gesperrt...und kam dort für lange Jahre nicht wieder heraus. Zwar hatten
die Hunde bei dem Mann genug zu essen, aber das war auch der einzige Mangel, den sie nicht leiden mussten.
Niemand kümmerte sich um sie, nie durften sie frei herumlaufen, nie hatten sie die Möglichkeit, sich
gegenseitig mit ihrer Nähe zu trösten. Völlig vereinsamt starben sie vom Tag ihres Einlieferns an einen
langen, traurigen Tod des Vergessens.
Sonia wurde durch diesen Mangel an Ansprache im Laufe der Jahre zu einer ausgesprochen schüchternen und
zurückgezogenen Hündin. Sie fürchtete sich vor ihren Artgenossen, vor allem was sie nicht kannte, besonders
aber vor Menschen, denn sie hatte überhaupt keine Übung darin, mit Zwei- und Vierbeinern umzugehen und
ein glückliches Leben zu führen. Vermutlich hätte sie ihr Dasein in dieser Einsamkeit beschlossen, wenn
es Patricia nicht im März 2013 gelungen wäre, Sonia und die anderen 20 Gemeindehunde, die bei dem Händler
noch vor sich hin vegetierten, dort heraus und nach Monte zu holen.
Seitdem hat Sonia sich sehr gut entwickelt. Ok, sie wird nie ein Ausbund an Mut und Draufgängertum werden,
aber mittlerweile hat sie begriffen, wie schön streichelnde Hände sind, dass von Menschen viel Gutes kommt
und dass andere Hunde oft dasselbe Schicksal haben wie sie, so dass man vor ihnen keine Angst haben muss.
Heute ist Sonia bei vertrauten Zweibeinern eine sanft verschmuste und sehr liebebedürftige Kuschlerin,
die auf zurückhaltende Art immer wieder engen Kontakt sucht. Die Zeiten, in denen sie vor jedem direkten
Blick und jeder Kamera fast im Boden versunken wäre, sind glücklicherweise vorbei und sie hat Freude am
Miteinander und am Erkunden der Umgebung gemeinsam mit den Pflegern gefunden.
Mit anderen Hunden versteht Sonia sich heute ebenfalls gut. Sie geht vorsichtig auf alle zu und sobald sie
merkt, dass ihr Gegenüber freundlich ist, freut sie sich auf ihre schüchtern-rührende Art über die Gesellschaft.
Aus dem Alter, in dem sie spielt, ist sie zwar heraus, aber das gemütliche Zusammensein und die Vertrautheit
genießt sie schon.
Ein wenig Sorge hat uns in letzter Zeit Sonias Gesundheit gemacht. Sie wurde im Herbst 2013 zunehmend
appetitlos, nahm immer mehr ab, verlor an einigen Stellen ihr Fell und sah stumpf und müde aus. Anfangs
vermutete der Tierarzt sarkoptische Räude, aber die Diagnose bestätigte sich nicht. Als auch noch die
Lymphknoten von Sonia stark anschwollen, kam der Verdacht auf Krebs bei ihr auf, aber auch hierin irrten
sich die Ärzte. Verschiedene Untersuchungen, u.a. Blut- und Ultraschalluntersuchungen bestätigten diesen
erdacht nicht. Nun gehen die TÄ von einer Pyodermie bei der Hündin aus, also von einer bakteriell
verursachten Hauterkrankung, die lange nicht wirklich bemerkt und daher nicht behandelt worden ist, so dass
sie das Immunsystem stark angegriffen und die Lymphen zum Schwellen gebracht hat. Sie wird jetzt gezielt
mit Antibiotika behandelt und ihr Zustand hat sich seitdem deutlich verbessert. Das liebenswerte Hundemädchen
hat wieder angefangen, mit Appetit zu fressen, die offenen Hautstellen, die vornehmlich an den Beinen waren,
heilen ab und ihr schöner, seidenweicher Pelz erstrahlt in neuer, glänzender Pracht.
Nun fehlt der rührenden Fellnase, die ihr Schicksal so klaglos erträgt, eigentlich nur noch ein Zuhause bei
Menschen, die mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen im Leben von Sonia endlich die Sonne aufgehen lassen.
Ein eher ruhiges Heim ohne viel Hektik und Veränderung wäre ihr Traum, am liebsten mit einem eigenen
Garten und Hundegesellschaft, die ihr hilft, mit der neuen Situation klar zu kommen. Sie braucht unbedingt
sensible, verständige Menschen, die sich in die Lage eines jahrelang von der Welt weg gesperrten Hundes
hinein versetzen können und ihr in kleinen Schritten helfen, den Weg ins Leben zurück zu finden. Sonia gibt
sich so viel Mühe, immer besser zu werden und begegnet allem mit so viel Sanftheit und Demut, sie hat
am Ende ihres Lebens endlich ein wenig Glück verdient.
| Sonia |
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| Rasse | Mix |
| Geboren | ca. 2001 |
| Größe | ca. 52 cm |
| Kastriert | Ja. |
| Krankheiten | Gechipt, geimpft, negativ auf Leishmaniose getestet,
hat aber vermutlich Pyodermie (eine bakterielle Hauterkrankung) und wird zur Zeit dagegen behandelt. |
| Behinderungen | Keine. |
| Verträglich mit | Rüden, Hündinnen, Kindern wenn sie verständig sind.
Katzen so lange sie nicht angreifen. |
Sonia hat ihr Glück im schönen Österreich gefunden. Dort leistet sie nun Cassandra, die auch aus Monte stammt,
Gesellschaft.
Vermittelt im April 2014