Das kleine Rinnsal, das neben dem Canile fließt, der Vibrata, der dem Tal den Namen gibt, ist normalerweise um diese Jahreszeit
schon völlig ausgetrocknet. Jetzt ist es zu einer tosenden Flut angeschwollen und kratzt wieder mal an den Mauern des Tierheims.
Aber schlimmer noch ist diesmal das Oberflächenwasser, das über die Landstraße in Massen die Auffahrt hinunter
läuft und sich im tiefer gelegenen Gelände von Canalba sammelt. Die Fluten, die von der Flussseite her gegen die Mauern
drücken, machen es dem Wasser unmöglich, durch die Löcher wieder abzufließen, die wir vorsorglich nach der
großen Flut vor anderthalb Jahren in die Umzäunungsmauer hatten bohren lassen. Es steht mittlerweile an vielen Stellen
knöcheltief auf dem Gelände.
Beppino hat Pumpen angeworfen, um das unerwünschte Nass mit Schläuchen über die Mauer entsorgen zu können. Wieder
mal sind die Palettenflächen in den Gehegen erhöht worden, damit die Hunde trocken stehen können. Und ohne
Ganzkörperkondom ist ans Arbeiten im Freien gar nicht zu denken. Kein wirkliches Vergnügen, weder für Menschen noch
für die Tiere. Dazu ist es auch noch unverhältnismäßig kühl geworden.
Die Hunde sind wenig begeistert, alle laufen durch die Gegend wie begossene Pudel, versuchen irgend eine höher gelegene Stelle
zu ergattern und springen an den Gittern hoch als wollten sie sagen: 'Holt uns hier raus!!!' Nirgends gibt es mehr einen trockenen
Flecken, überall ist es feucht durch das allgegenwärtige nasse Hundefell, die Decken mussten aus den Hütten geholt
werden, weil sie sich vollgesogen hatten.